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Crans-Montana: Wie ein Hochplateau für den Tourismus erschlossen wurde

Das Wallis ist mit seiner spektakulären Bergwelt bei Winter- wie Sommersportlern äusserst beliebt. Dabei ist nur wenigen Gästen bewusst, welche Innovationen hinter der touristischen Erschliessung von Crans-Montana stecken. So machten erst Gondelbahnen und Lifte das Hochplateau in der Walliser Alpenregion für eine Vielzahl von Besuchern zugänglich. Und der Betrieb dieser Bahnen wurde nun dank dem Einsatz von ABB-Technologie deutlich energieeffizienter.

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Fast 70 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer betreiben aktiv Sport. Und zwei Fünftel der Bevölkerung tun dies auch in den Ferien – besonders Ski- und Wanderaktivitäten stehen in der Schweiz im Mittelpunkt. Wie die Bergwelt von Crans-Montana, vor deren atemberaubender Kulisse bereits 1987 die Alpinen Skiweltmeisterschaften stattfanden.

Wer als Gast diese spektakuläre Alpenwelt geniesst, dem ist wohl nur selten bewusst, welche Innovationen die touristische Erschliessung solcher Bergregionen erst möglich gemacht haben. Bergbahnen, Gondelbahnen und Skilifte sorgen dafür, dass die Skifahrer und Wanderer ebenso sicher wie bequem zu den Ausgangspunkten für Abfahrten und Exkursionen kommen. ABB ist seit seiner Gründung 1891 an entscheidenden Stellen mit dabei. So fuhren schon im 19. Jahrhundert die ersten elektrischen Bergbahnen in der Schweiz mit elektrischer Ausrüstung von ABB. 

Bis heute eröffnet das Unternehmen weiterhin den Zugang zur Bergwelt – mit Spitzentechnik, die der normale Gast allerdings kaum je zu Gesicht bekommt, sondern nur indirekt spürt: ABB arbeitet im übertragenen Sinne im Maschinenraum der touristischen Erschliessung von Ferienregionen.

Neubau und Umbau erhöht Energieeffizienz
So ist das Unternehmen an vielen neuen Projekten auch in Crans-Montana beteiligt. Beispielsweise an der neuen Gondelbahn von Montana nach Arnouva und an der neuen Sesselbahn von Arnouva auf den Cry d’Er sowie am Umbau der elektrischen Technik der Gondelbahn auf den Merbé.

Geplant und gebaut wurden sie gemeinsam mit den Walliser Bergbahnen. Diese haben – wie zahlreiche andere Tourismusdestinationen im Alpenraum – massiv in den Ausbau der Infrastruktur investiert. Auf der 554 Meter langen Strecke Montana-Signal (Arnouva) überwinden nun Gondeln mit zehn statt bisher sechs Stehplätzen die Höhendifferenz von 187 Metern in gerade einmal zweieinhalb Minuten. Von dieser Bergstation in 1'724 Metern aus geht es dann mit einer Sechser-Sesselbahn zum Cry d’Er auf 2’254 Meter Höhe. Die Strecke von 1'835 Metern wird über 16 Stützen geführt, und die Geschwindigkeit der Bahn beträgt fünf Meter pro Sekunde. Die dritte Bahn steuert auf einer anderen Linie über die Zwischenstation Merbé ebenfalls den Cry d’Er an.

Geliefert wurden die Bahnen von der Doppelmayr Garaventa Gruppe, deren Wurzeln sich bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen. Bis heute ist die Gruppe Marktführer im Seilbahnbau und ist weltweit in rund 90 Ländern vertreten. Sie ist damit einer der wichtigsten Partner für ABB in diesem Bereich.

Fünf Tonnen schwere Kraftpakete mit Feingefühl
Die Sisag AG, ein Spezialist für Prozessleitsysteme, war als Ausrüster für die Neu- und Umbauten verantwortlich. Sisag fragte zu Beginn des Projektes bei ABB in Sachen „elektrische Antriebe“ nach. Und ABB konnte liefern: massgeschneiderte und wartungsarme Technik zu einem konkurrenzfähigen Preis. 

Herzstücke der Anlagen sind die Motoren. Über riesige Scheiben treiben sie die Seile an, an denen Gondeln, Sessel und Lifte hängen. Dafür braucht es starke und zuverlässige Motoren. Zudem müssen sich diese feinfühlig steuern lassen. Nicht zuletzt ist bei Leistungen von bis zu 1'000 Kilowatt eine hohe Energieeffizienz von grosser Bedeutung. Alles Punkte, die Anlagen von ABB auf dem neuesten Stand der Technik erfüllen.

Zum Einsatz kommen beim Projekt in Crans-Montana Elektromotoren mit dem nüchternen Familiennamen M3BP. Das sind in der stärksten hier verwendeten Version rund 4'700 Kilogramm schwere Kraftpakete im Graugussgehäuse, die mit einer Drehzahl von knapp 1'500 Umdrehungen je Minute betrieben werden und einen hohen Wirkungsgrad von 97,2 Prozent erreichen. Sie werden mit einer Wechselspannung von 400 Volt versorgt, was in der Welt der Elektrotechnik als „Niederspannung“ gilt. Als sogenannte „4Q-Asynchronantriebe“ sind sie zudem wartungsarm – nicht zu unterschätzen in einer Geographie, in der jede Reparatur teuer wird und zu ärgerlichen sowie ebenfalls kostenträchtigen Ausfällen führen würde. 

Mit dem grössten Motorensortiment in diesem Bereich ist ABB Weltmarktführer. Und seit Jahren bilden jene Produkte mit hoher Energieeffizienz den Kern des Angebotes. ABB konnte durch Forschung und Entwicklung mit immer wieder neuen technischen Innovationen die Energieeffizienz solcher Anlagen insgesamt von 80 auf weit über 90 Prozent steigern und dabei zugleich den Wartungsaufwand massiv verringern.

Frequenzumrichter speisen Bremsenergie wieder ins Stromnetz
Des Weiteren liefert ABB sogenannte Frequenzumrichter. Sie wandeln die Netzspannung von 400 Volt/50 Hertz so um, dass sich damit die Motoren je nach aktueller Last flexibel und energieeffizient steuern lassen. Bei dem Projekt in Crans-Montana werden vor allem Frequenzumrichter vom Typ ACS800 eingesetzt. Das wird kaum jemandem etwas sagen, umso interessanter ist dafür eines ihrer Ausstattungsmerkmale, das die Ingenieure „Rückspeisefähigkeit“ nennen: Statt beim Abbremsen der Scheibe für den Seiltransport die überflüssige Energie in Wärme umzusetzen, wird sie wieder in Elektrizität zurückgewandelt und in das Stromnetz eingespeist. Das bedeutet eine erhebliche Energieeinsparung gegenüber herkömmlicher Technik. Die Realisierung ist aus verschiedenen Gründen sehr anspruchsvoll, denn es müssen Rückwirkungen wie Stromspitzen auf andere Nutzer des selben Stromnetzes vermieden werden – eine grosse Herausforderung, weil diese Anlagen oft am Ende eines Tals betrieben werden, wo das Stromnetz eher schwach ist.

Frau Holle auf die Sprünge helfen
Die neuen Bahn-Anlage sowie der Umbau erfüllen alle Erwartungen in Sachen zuverlässiger, nachhaltiger und energieeffizienter Betrieb. Die besten Skilifte bringen jedoch nichts, wenn kein Schnee liegt. Hier zeigt sich in vielen Bergsport-Destinationen der Schweiz die selbe Tendenz: Auf Frau Holle und den grossen Schnee nur zu hoffen, kann sich heute kein Skiort mehr leisten. Und ohne Kunstschnee ist ein regulärer Pistenbetrieb kaum mehr aufrecht zu erhalten. Nicht zuletzt ist auch der internationale Wettbewerb härter geworden – sowohl hinsichtlich jedes einzelnen Touristen, als auch in Bezug auf Grossanlässe wie Olympische Winterspiele oder die Alpine Skiweltmeisterschaft. Letztere findet 2017 in der Schweiz, im mondänen St. Moritz statt. Auch dort wird eine Heerschaar von Beschneiungsanlagen zuverlässig für Schnee sorgen. Auch hier stecken wieder effizienzsteigernde Komponenten von ABB drin. Pumpantriebe und Frequenzumrichter von ABB finden finden übrigens weltweit in Skigebieten Verwendung. Vielleicht auch in Beijing, der Hauptstadt Chinas, wenn dort 2022 die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden.