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Die Urdenbahn: Zwei Gondeln, die verbinden

Sie verbindet die Skigebiete Arosa und Lenzerheide zur grössten zusammenhängenden Wintersportarena Graubündens mit 225 Pistenkilometern: die Urdenbahn. 1'700 Meter führt sie ohne jegliche Stützen zwischen Hörnligrat und Urdenfüggli über das unter Naturschutz stehende Urdental. Eine technische Meisterleistung, an der die energieeffiziente Technik der Motoren und Frequenzumrichter von ABB massgeblich beteiligt sind.

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Schon im Jahre 1953 sprach man in Graubünden von einem „interessanten Bergbahnprojekt“, das die Skigebiete Arosa und Lenzerheide/Parpan miteinander verbinden könnte. Doch es dauerte gut 60 Jahre, bis die Urdenbahn im Januar 2014 öffnete und diesen Traum für schon jetzt viele hunderttausende Gäste verwirklichte.

So lange brauchte es, bis herausragende Ingenieurstechnik zwei gleichermassen berechtigte Forderungen zur Deckung brachte: Zum einen die Forderung des Naturschutzes des weitgehend unberührten Urdental nicht mit weitergehenden Liftanlagen und Skipisten zu erschliessen. Zum anderen aber wollten die Gemeinden Arosa und Lenzerheide ihre schneesicheren Skigebiete miteinander verbinden, um die Attraktivität der gesamten Region vom Brüggenhorn bis zur Windegga weiter zu erhöhen.

Beide Ziele erreichten die Gemeinden mit dem Bau derUrdenbahn, einer knapp 1'700 m langen Luftseilbahn, die das Bündner Urdental ohne jede Stütze überspannt. Im Winter wie im Sommer fahren bis zu je 150 Gäste in einer der beiden unabhängig voneinander betriebenen Kabinen. Damit ist sie eine der grössten der Schweiz. Von Türöffnung zu Türöffnung schweben sie innert knapp fünf Minuten bei flottem Tempo von bis zu zwölf Metern je Sekunde von der Oststation Arosa in 2'496 Metern Höhe zur Weststation Lenzerheide in 2'562 Metern Höhe – oder umgekehrt.

„Das Herzstück der Anlage“
Dass dieser Betrieb sicher, energieeffizient und flexibel läuft, dafür sorgen Motoren und Frequenzumrichter von ABB. Und das auf höchstem Niveau, wie Thomas Tanner, Stellvertretender Technischer Leiter Arosa Bergbahnen: „Diese Motoren und Frequenzumrichter sind das Herzstück der Anlage. Für den energieeffizienten Betrieb sind sie das A und O.“ 

ABB-Antriebtechnik sorgt im Herzen der Anlage dafür, dass die Kabinen mit ihrer Nutzlast von über 12'000 Kilogramm auf den vier armdicken Tragseilen von je 75 Tonnen Eigengewicht möglichst „ruckelfrei“ rollen. Hierfür ist eine äusserst energieeffiziente Technik notwendig, da die bestehende Stromleitung vor Ort auf 4,5 Megawatt beschränkt ist und der Bau einer neuen Versorgungsleitung aus Kostengründen nicht in Frage kam.

Erst das Konzept von zwei unabhängigen, parallel betriebenen Bahnen zusammen mit einer intelligenten Steuerung machte die Realisierung des gesamten Projektes möglich. Zentral hierfür sind die Frequenzumrichter (ACS 800), die zwei Hauptaufgaben haben: Einerseits wandeln sie den Netzstrom so um, dass die Asynchron-Elektromotoren flexibel gesteuert werden können und die Kabinen selbst sehr ruhig sowie nach einem beliebig dem Gästestrom anpassbaren Fahrplan laufen. Andererseits verwandelt er im Generatorbetrieb die Bremsenergie der bergab fahrenden Bahn wieder in Strom um. Diesen speist ebenfalls der Frequenzumrichter wieder in das Betriebs-Stromnetz ein. So steht er entweder der parallel geführten Bahn zur Verfügung oder aber anderen Anlagen. Dank elektronischer Filter im Frequenzumrichter ist diese so genannte „Rückspeisung“ technisch derart sauber, dass sie bei Bedarf sogar ins öffentliche Stromnetz abgegeben werden kann.

Preisgekrönte Aussicht
Planung und Realisierung der rund 20 Millionen Franken teuren Pendelbahn waren ebenso spektakulär wie heute der Helikopter-Blick aus den von Thomas Kuechler designten und von Gangloff gebauten Kabinen, die der „Rat für Formgebung“ 2015 als Gewinner in der Kategorie „Transportation und Public Design“ auszeichnete. Die zehn Meter langen und fünf Meter breiten Gondeln sind durchgehend mit Panoramascheiben aus Plexiglas versehenen. Sie eröffnen einen imposanten Ausblick etwa auf die Felsbänder des Tschirpen im Süden sowie auf das Urdental samt Urdensee und das Plattenhorn im Norden. 

Technisch gesehen handelt es sich sogar um zwei Luftseilbahnen, die völlig unabhängig voneinander laufen. Das dient vor allem der Sicherheit, denn im Notfall kann horizontal von der havarierten Kabine zu der auf dem parallel geführten Seilsystem laufenden Kabine geborgen werden – was regelmässig und sogar bei Nacht geübt wird. Doch auch im laufenden Betrieb hat diese Konstruktion als „zwei parallel verlaufende einspurige Zweiseilpendelbahnen“ grosse Vorteile. So braucht etwa bei niedrigem Fahrgastaufkommen nur eine der beiden Bahnen betrieben zu werden. Das spart Energie, die widerum anderweitig genutzt werden kann.

Intelligentes Stromnetz am Berg – Blaupause für die Zukunft anderer Netze
In der Bergstation auf dem Aroser Hörnli befindet sich ein innovatives Energie-Managementsystem: Ein Intelligentes Stromnetz, Smart Grid genannt. Dieses Smart Grid fasst alle Energieflüsse vor Ort zusammen – die der Luftseilbahn ebenso wie die zusätzlicher Verbraucher wie Lüftungssysteme und Schneeanlagen. Automatisch steuert es die Stromverteilung für optimale Funktion einerseits wie für höchste Energieeffizienz andererseits. So kann es bei Bedarf die Geschwindigkeit einzelner Bahnen kurzzeitig reduzieren, um anderen Verbrauchern mehr Energie zur Verfügung zu stellen.

Smart Grids ist eine Technologie, die auch für andere Anwendungen und weltweit Anwendung findet und zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Etwa, um die schwankende Stromerzeugung von Windkraft- und Solaranlagen an den Verbrauch anzupassen. Damit lassen sich gleichfalls „intelligente“ Verbraucher wie Waschmaschinen so steuern, dass die gesamte Energieversorgung effizienter und preiswerter genutzt wird.

Die Luftseilbahn in Arosa-Lenzerheide bietet damit in vielen Aspekten einen Ausblick auf die Zukunft der Bergbahnen. Mit ihrer effizienten Technik ist sie eine Blaupause für die intelligente Vernetzung verschiedener Verbraucher und Energieformen.